Ratgeber Heizungssysteme

Der Energieverbrauch und damit die Heizkosten können drastisch reduziert werden, wenn die bestehende Heizungsanlage durch ein effizientes und modernes Heizungssystem ersetzt wird. Dabei ist aber auch der Umweltaspekt von Bedeutung. Allein in der Bundesrepublik Deutschland werden durch Heizungsanlagen in Privathaushalten jährlich etwa 100 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Mithilfe moderner Heizungstechnik kann diese Zahl erheblich reduziert und die Energiewende beschleunigt werden. In Deutschland bestehen verschiedene Förderprogramme, die Hauseigentümer bei der Modernisierung oder Sanierung nutzen können, um die Kosten der notwendigen Maßnahmen nicht vollständig auf den eigenen Schultern tragen zu müssen.

  • BAFA
    Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA, ist einer der Träger von Fördermaßnahmen. Das Amt vergibt nicht rückzahlbare Zuschüsse zu der Sanierung oder der Neuinstallation von Heizungsanlagen aus den Bereichen Solarthermie, Biomasse und Wärmepumpen.

  • KfW
    Die KfW, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, ist die weltgrößte Förderbank und hinsichtlich ihrer Bilanzsumme die drittgrößte Bank in Deutschland. Hauseigentümer können bei der KfW zinsgünstige Kredite beantragen, um die Umstellung ihrer Heizungsanlage zu finanzieren. Dabei können unter bestimmten Umständen BAFA-Zuschüsse und KfW-Kredite miteinander kombiniert werden.

Hinweis:
Bitte beachten Sie auch den Beitrag "Solarförderung für Photovoltaik, Stromspeicher und Solarthermie" in der Rubrik Sonnenenergie!

Fördermöglichkeiten für Neubauten

Wer einen Neubau plant oder ein neues Haus erwirbt, fährt bezüglich der Fördermöglichkeiten mit einem KfW-Effizienzhaus 40 Plus am besten. Das bedeutet, dass das Haus nach den Kriterien des KfW-Effizienzhaus-Standards errichtet wird. Dieser Standard richtet sich nach dem Jahresprimärenergiebedarf sowie dem Transmissionswärmeverlust. Das sind Kennzahlen aus der Energieeinsparverordnung (EnEV), deren Höchstwerte bei einem Neubau nicht überschritten werden dürfen. 

Die KfW förderte bis zum 31. März 2016 Effizienzhäuser mit den Werten 70, 55 und 40. Dabei gilt: Je kleiner der angegebene Wert, desto höher die Energieeffizienz des Hauses.Seit dem 1. April 2016 wird der KfW-Effizienzstandard 70 nicht mehr gefördert. Das Spektrum der KfW-Effizienzhäuser wurde dann um das KfW-Effizienzhaus 40 Plus erweitert, dessen Förderstandards noch strengere Anforderungen an die Energieeffizienz eines Gebäudes stellen als beim KfW 40-Haus.

Ein Beispiel für energieeffizientes Bauen ist der Standard 55, der unter anderem den Einbau wahlweise einer Biomasseheizung oder einer Wärmepumpe vorsieht. Diese wird mit einer solarthermischen Anlage zur Trinkwassererwärmung kombiniert. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher KfW-Förderprogramme nummeriert die KfW ihre jeweiligen Fördermaßnahmen, um ein leichteres Auffinden des jeweiligen Programms zu ermöglichen. Das Programm „Energieeffizientes Bauen“ trägt die Nummer 153. Auch die BAFA kann bei den Fördermöglichkeiten für energieeffizientes Bauen mit eingebunden werden. So lassen sich Baukostenzuschüsse der BAFA mit den KfW-Förderprogrammen 153 sowie 167 (Energieeffizient Sanieren – Ergänzungskredit) kombinieren, nicht aber mit Landesförderprogrammen, die mit demselben Förderzweck von der KfW refinanziert wurden.

Die Sanierung von Heizungsanlagen

Um in den Genuss verschiedener Fördermöglichkeiten durch KfW und BAFA zu kommen, ist es nicht unbedingt notwendig, bereits in einem KfW-Energieeffizienzhaus zu wohnen. Die KfW belohnt auch den Weg zu diesem Standard mit entsprechend zinsgünstigen Krediten. Insbesondere bei einer Erneuerung der Heizungsanlage ist das Kreditprogramm 151 /152 die richtige Wahl. Dieses Programm fördert die energetische Sanierung von Wohnimmobilien, wenn für diese bis zum 31.12.2001 eine Bauanzeige oder ein Bauantrag gestellt wurde. Gefördert werden alle energetischen Maßnahmen, die dazu führen, dass das Haus einen KfW-Effizienzhausstandard erreicht.Alternativ können sich private Antragsteller auch für das Programm 430 entscheiden, das anstelle eines Kredits einen nicht rückzahlbaren Zuschuss vorsieht.

Während sich diese Einzelmaßnahmen mit Zuschüssen der BAFA kombinieren lassen, sind Heizungsanlagen, die gleichzeitig mit fossilen Brennstoffen und erneuerbaren Energien arbeiten, zwar noch durch die KfW förderungswürdig, nicht jedoch durch das BAFA.

Besonderheit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder Blockheizkraftwerke (BHKW)

  • KfW-Förderung von KWK-Anlagen
    Die KfW fördert die Errichtung, Erweiterung und den Erwerb von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), die mit Geothermie oder Biomasse betrieben werden (Programm 270) mit einem zu 100 % ausgezahlten Kredit und einem Kreditvolumen von je max. 50 Mio. Euro. Bei einer Laufzeit von mindestens zwei und höchstens 20 Jahren wird ein effektiver Jahreszins von derzeit mindestens 1,05 % erhoben (Stand 03/2017). Je nach Finanzierungsmodell können zwischen einem und drei tilgungsfreie Jahre vereinbart werden. Der Einsatz von Eigenkapital ist keine Voraussetzung für die Kreditzusage, wird aber zur Verbessserung der Bonität und damit der Kreditkonditionen empfohlen.
  • BAFA fördert weiter
    Das BAFA hingegen hält an der Förderung von BHKW weiter fest. Hierbei handelt es sich um einen einmaligen Investitionszuschuss für Anlagen mit maximal 20 Kilowatt elektrischer Leistung (kWel). Die Förderung ist an die Einhaltung einiger Bedingungen gebunden: Die ausgewählte Anlage
    • muss auf der BAFA-Liste der förderfähigen Mini-KWK-Anlagen stehen,
    • muss mit einem Wartungsvertrag gekoppelt sein,
    • darf nicht in einem Gebiet installiert sein, in dem die Nutzung von Fernwärme vorgesehen ist,
    • muss über einen Wärmespeicher mit einem Speichervolumen von 60 Litern Wasser je kW thermischer Leistung verfügen,
    • muss die jeweils aktuellen Bestimmungen der TA-Luft einhalten,
    • muss die EU-Richtlinie für Kleinstanlagen übertreffen (siehe (siehe Text der Richtlinie),
    • muss einen KWK-Stromzähler haben und
    • muss über eine Informations- und Kommunikationstechnik verfügen, mit der die Signale des Strommarkts empfangen werden können, um flexibel darauf zu reagieren (gilt nur für Anlagen mit einer elektrischen Leistung von mehr als 10 kW).

Unabhängig davon wird die durch ein BHKW in das öffentliche Netz eingespeiste elektrische Energie durch den jeweiligen Stromnetzbetreiber vergütet. Grundlage dafür ist das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, sofern die Anlage einen BAFA-Zulassungsbescheid besitzt.

Kaminöfen und Förderprogramme

  1. KfW
    Die KfW besitzt kein Programm, mit dem speziell Kaminöfen gefördert werden. Allerdings kann ein sehr effizient arbeitender Kaminofen Bestandteil einer Gebäudesanierung zum Erreichen eines Energieeffizienz-Standards sein und ist dann Teil eines förderungswürdigen Gesamtpaketes, so der Experte für Kamin und Heizungsanlagen Kamdi24.

  2. BAFA
    Das BAFA hingegen macht einen Zuschuss zur Finanzierung von Kaminöfen von deren Bauart abhängig. So werden vom BAFA nur Kaminöfen bezuschusst, die wasserführend arbeiten, mit Pellets als Brennstoff betrieben werden und einen hydraulischen Abgleich der Heizkörper ermöglichen. So ausgestattete Kaminöfen sind im Prinzip Zentralheizungen.

Verschiedene Möglichkeiten der Beheizung

Neben dem Einbau oder Umbau einer einzelnen Heizungsanlage pro Haus bieten sich weitere Möglichkeiten an, um Bestandshäuser auf moderne Art mit  Heizenergie zu versorgen. Die KfW wie auch das BAFA fördern entsprechend ihrer Richtlinien sowohl Heizungsgemeinschaften als auch Hausbesitzer und Contractoren:

  • In einer Wohnanlage mit mehreren Eigentümern können sich diese zu einer Heizungsgemeinschaft zusammenschließen, um anteilig über einen KfW-Kredit eine gemeinsame Heizungsanlage zu finanzieren. Eine Heizungsgemeinschaft kann jedoch auch aus nebeneinanderliegenden Häusern bestehen. Die Fördermittel für eine Heizungsgemeinschaft müssen von jedem einzelnen Wohnungs- oder Hauseigentümer beantragt werden. Dabei ist zu beachten, dass nur dann eine Förderung erfolgt, wenn das Haus, die Wohnung oder die Wohnanlage dadurch einen KfW-Effizienzhaus-Standard erreicht. Unter Umständen sind also weitere Sanierungsmaßnahmen notwendig, die aber ebenfalls gefördert werden können. Je nach Heizungsart kommen verschiedene Förderprogramme der KfW infrage, wobei nur das Programm 167 mit Zuschüssen des BAFA kombinierbar ist.
    Die weiteren Förderprogramme der KfW, die für Heizungsgemeinschaften interessant sind,  sind unter den Nummern 151/152 oder 430 auf der Webseite der KfW (www.kfw.de) zu finden. Mit dem KfW-Zuschuss Energieeffizient Bauen und Sanieren - Zuschuss Baubegleitung (Programm 431) wird die professionelle Planung und Unterstützung während der Sanierung oder des Neubaus durch einen von der KfW gelisteten Energieberater gefördert. Wer bereits vor der Sanierung umfassend beraten werden möchte, kann einen Zuschuss des BAFA für eine sog. Vor-Ort-Beratung in Anspruch nehmen.

  • Das sogenannte Energie-Contracting funktioniert nach folgendem Prinzip: Ein Energielieferant, der die Wärmeversorgung für eine oder mehrere Immobilien z. B. mit der Installation eines BHKW übernimmt, erhält die direkte Förderung durch KfW und BAFA als Inhaber und Betreiber. Der Contractor hat auch die Aufgabe, sich um Wartung und Reparaturen zu kümmern.
    Auch wenn die Förderung nicht an die Immobilieneigentümer ausgezahlt wird, können sie trotzdem von ihr profitieren: Da die energetischen Kennziffern der externen Heizungsanlage in die Berechnung der Energieeffizienz eines jeden angeschlossenen Hauses mit einbezogen werden, verbessert sich der Effizienzhaus-Standard und wirkt sich positiv auf einen ggf. gewährten oder beantragten Tilgungszuschuss aus.
    Für Contractoren wie für Hauseigentümer sind hierfür die KfW-Programme 152, 153 und 167 von Interesse.
    Die typischen Contracting-Anbieter sind private oder öffentliche Energielieferanten oder auch mittelständische Heizungsbaufirmen.

Regionale und kommunale Fördermittel

Neben KfW und BAFA stellen zunehmend auch die Bundesländer und einzelne Kommunen Fördergelder für private und gewerbliche Immobilieneigentümer bereit, um Heizungsanlagen zu erneuern oder bei Neubauten entsprechende Systeme aus erneuerbaren Energien zu verwenden.

  • Ein Beispiel ist das 10.000-Häuser-Programm in Bayern
    Hier wird der Austausch von veralteten Heizungsanlagen durch innovative Heiz-/Speichersysteme in Ein- und Zweifamilienhäusern bezuschusst. Der Zuschuss kann auch für Neubauten beantragt werden. Sowohl bei Bestands- wie auch Neubauten ist die Bewilligung abhängig von einer gleichzeitigen KfW-Förderung unter den Programmnummern 151 oder 153. Informationen unter https://www.energieatlas.bayern.de/buerger/10000_haeuser_programm/energiesystemhaus.html.
    Da die Mittel ausgeschöpft waren, wurde das Programm zwischenzeitlich ausgesetzt. Es ist jedoch vorgesehen, ab April 2017 für weitere 5.000 Förderungen ausreichend Mittel bereitzustellen. Informationen zum genauen Antragsbeginn und die geänderten Rahmenbedingungen gibt die Seite Energieatlas Bayern.

Welche Kommune oder welches Bundesland Förderprogramme zum Einbau energieeffizienter Heizungsanlagen anbietet, lässt sich über entsprechende Informationsportale im Internet oder durch eine Anfrage bei der jeweiligen Gemeinde in Erfahrung bringen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert die Informationsseite www.energiefoerderung.info, die sowohl über bundesweit gültige als auch über regionale Förderprogramme Auskunft gibt.

Für alle Zuschüsse gilt: Antragsteller haben keinen Rechtsanspruch auf eine Förderung, auch wenn die formalen Voraussetzungen für die Genehmigung ihrer Maßnahme erfüllt sind. Die Vergabe von Fördermitteln – insbesondere von Zuschüssen – hängt im Wesentlichen auch von der Verfügbarkeit der finanziellen Mittel ab. Die jeweiligen Anträge müssen immer vor dem Beginn der Maßnahme gestellt werden.

Zuschussbeispiele

Beispiel 1: Kombination von Pelletofen und Solaranlage

Einfamilienhaus, 8 kW Pelletofen mit Wasserführung und vier Solarkollektoren mit einer Bruttofläche von insgesamt 10 m².

 

  Basisförderung (BAFA) für Pelletofen mit Wassertasche     2.000,-- €
  + Basisförderung (BAFA) für Solaranlage 500,-- €
  + Kombinationsbonus 500,-- €
  Fördersumme gesamt 3.000,-- €

 

Die Basisförderung für eine Montage oder Erweiterung einer Biomasse- oder Solarkollektoranlage wird gewährt, wenn bei der Inbetriebnahme der neuen Anlage seit mindestens zwei Jahren ein anderes Heizsystem betrieben worden ist. Zusätzlich können bis zu 10 % der Kosten für Einzelmaßnahmen der Optimierung der Anlagen gefördert werden (z. B. Einbau Pufferspeicher, Erneuerung Schornsteinanlage). Die Höhe der Förderung ist auf höchstens 50 % der aktuellen Basisförderung für Solarkollektoranlagen begrenzt.

Beispiel 2: Kombination von Pelletkessel und Solaranlage

Einfamilienhaus, 15 kW Pelletkessel, Pufferspeicher und drei Solarkollektoren mit einer Bruttofläche von 9 m2. Mindestvolumen des Pufferspeichers: 30 l/kW Nennwärmeleistung.

 

Basisförderung (BAFA) für Pelletkessel mit Pufferspeicher     3.500,-- €
+ Basisförderung (BAFA) für Solaranlage 500,-- €
+ Kombinationsbonus 500,-- €
Fördersumme gesamt 4.500,-- €

 

Zusätzlich können 10 % der Kosten für Einzelmaßnahmen der Optimierung der Anlagen gefördert werden (z.B. Ausbau und Entsorgung alter Öl/Gastanks, Errichtung von Vorratsbehältern für Biomasse, Einbau von Zirkulationspumpen, Erneuerung des Schornsteins), jedoch begrenzt auf 50 % der Basisförderung.

 

 

 

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