Ratgeber Heizungssysteme

Als Häuser noch nicht hochgedämmt gebaut wurden, war das Lüften – unfreiwillig – ein Kinderspiel: Fenster, Außentüren und Mauern waren selten luftdicht, sodass die verbrauchte Raumluft ins Freie entweichen und von draußen Frischluft ins Haus strömen konnte. Zur Zeit der billigen Brennstoffpreise und der Unkenntnis über den drohenden Treibhauseffekt ging man mit diesem Thema ganz entspannt um. Wenn es irgendwo zu sehr durchzog, wurden die Fenster gerichtet oder Tücher vor die Ritzen gelegt, und das Problem war gelöst.

Heutige Wohnimmobilien können nicht mehr so sorglos wie damals gebaut werden. Sie haben aufgrund von rechtlichen Vorgaben energetische Mindestwerte zu erfüllen; wer darüber hinaus noch staatliche Förderung erhalten will, muss sich in dieser Hinsicht noch mehr anstrengen. Neue Eigenheime müssen den Blower-Door-Test bestehen, der beweist, dass kein Lüftchen ungewollt ins Haus hinein und auch nicht heraus kommt. Aber auf irgendeine Weise muss ein Luftaustausch gewährleistet sein. An dieser Stelle kommt die kontrollierte Wohnraumlüftung ins Spiel.

Was ist unter einer kontrollierten Wohnraumlüftung zu verstehen?

Damit ist nicht gemeint, dass die Bewohner selbst in einem bestimmten Rhythmus die Fenster öffnen sollen. Sie selbst haben darauf keinen direkten Einfluss, und auch die jeweiligen Wetterverhältnisse spielen hierbei keine Rolle. Vielmehr kommen Ventilatoren zum Einsatz, die die Luft bewegen und für einen Unterdruck sorgen. Dabei werden bei Lüftungsanlagen grundsätzlich drei verschiedene Prinzipien unterschieden:

  • Abluftanlagen
    Bei Abluftanlagen wird die verbrauchte Innenluft insbesondere aus den Räumen, in denen viel Feuchtigkeit entsteht, nach draußen transportiert und durch Öffnungen in den Außenwänden für frische Luft gesorgt.

  • Zuluftanlagen
    Zuluftanlagen leiten mithilfe von Rohren frische Luft ins Gebäude und sorgen mithilfe von speziellen Öffnungen dafür, dass die verbrauchte Innenluft nach draußen entweichen kann.

  • kontrollierte Be- und Entlüftung
    Die kontrollierte Be- und Entlüftung vereint diese beiden Prinzipien. Mit dieser Methode sind die Luftströme deutlich besser kontrollierbar als bei reinen Zu- oder Abluftanlagen.

Die kontrollierten Be- und Entlüftungsanlagen können zentral und dezentral betrieben werden:

Zentrale Lüftungsanlagen

Zentrale Lüftungsanlagen übernehmen den Luftaustausch für eine ganze Wohneinheit (Wohnung oder Haus). Mithilfe eines Ventilators wird die verbrauchte Luft aus den Feuchträumen geleitet, während ein weiterer Ventilator die Frischluft durch speziell vorbereitete Kanäle in alle Zimmer transportiert. Diese Anlagen benötigen Filter, die die Luft von Stäuben, Pollen und Insekten befreien. Da sowohl die Frisch- als auch die Abluft durch einen Wärmetauscher geführt werden, lässt sich so Energie sparen. Moderne Wärmetauscher erreichen dabei einen Wirkungsgrad von bis zu 95 %. Zentrale Lüftungsanlagen kommen insbesondere bei neu gebauten Passiv- und Niedrigenergiehäusern zum Einsatz, da ihr nachträglicher Einbau in Bestandsgebäude zu aufwendig und teuer wäre. Sofern  z. B. ein Luft-Erdwärmetauscher in das Gesamtkonzept integriert wird, lässt sich die Anlage im Sommer auch zum Kühlen der Räume einsetzen.

  • Nachteile
    Die Anschaffungs- und Montagekosten sind mit 7.000 bis 15.000 € für ein Einfamilienhaus sehr hoch. Dazu kommen noch Wartungskosten, die u. a. den Austausch der Filter, die Reinigung der Gitter, des Wärmetauschers sowie des Ablaufs der Kondensatwanne umfassen. Diese Wartungsarbeiten sind je nach Anlagentyp zwei bis vier Mal pro Jahr nötig. Allergiker sollten sich wegen der Wartungsintervalle vorab beraten lassen. Da es sich um ein komplexes System handelt und für die Luftleitungen viel Platz nötig ist, eignen sich zentrale Lüftungsanlagen in der Regel nicht für Altbauten.
  • Vorteile
    Sie funktionieren praktisch geräuschlos, wenn ihr Einbau fachgerecht durchgeführt wurde. An warmen Sommertagen können sie zur Kühlung der Räume eingesetzt werden. Außerdem arbeiten sie sehr energieeffizient, wenn sie über einen Wärmetauscher verfügen.

Dezentrale Lüftungsanlagen

Dezentrale Lüftungsanlagen werden zur Frischluftversorgung von einzelnen Räumen eingesetzt. Sie sind relativ einfach zu montieren und werden aufgrund des geringen Aufwands und der vergleichsweise niedrigen Kosten vor allem in Bestandsbauten installiert. Auch hier sorgt ein Ventilator dafür, dass die verbrauchte Raumluft aus dem Haus geleitet wird. Durch Lüftungsklappen oder –schlitze wird passiv frische Luft zugeleitet. Diese Lüftungsanlagen können sowohl über Steuerungen, die auf die Feuchtigkeits- oder CO2-Werte in der Luft reagieren, als auch manuell gesteuert werden. Reine Abluftanlagen eignen sich für den Luftaustausch in der Küche und im Bad.
Dezentrale Lüftungsanlagen werden auch als kombinierte Zu- und Abluftanlagen mit einem Ab- und einem Zuluftrohr verbaut. Hierbei stellt die Anlage aktiv die Frischluft zur Verfügung, während Ventilatoren für den Abtransport der verbrauchten Luft verantwortlich sind. Bei dieser Variante sind Filter nötig, um eine Zufuhr von sauberer Luft zu gewährleisten. Diese kombinierten Anlagen können mit einer thermischen Speichermasse wie z. B. einem Plattenwärmetauscher ausgestattet werden, der für die Wärmerückgewinnung und damit eine verbesserte Energieeffizienz sorgt. Dabei können bis zu 75 % der Energie aus der Abluft der Frischluft zugeführt werden.

  • Nachteile
    Nachteile dieses Anlagentyps sind die hohe Lärmbelästigung, da sich die Geräte im jeweiligen versorgten Raum und nicht abseits davon (z. B. im Keller) befinden, die Gefahr eines sog. Luftkurzschlusses sowie die fehlende Möglichkeit, das Gebäude im Sommer zu kühlen. Auch mit einer Wärmerückgewinnung ist ihre Energieeffizienz geringer als die von zentralen Lüftungsanlagen.
  • Vorteile
    Vorteile sind die geringeren Kosten (ab ca. 2.500 €), die gezielte Be- und Entlüftung einzelner Räume sowie der geringe bauliche Aufwand. Diese Vorteile führen dazu, dass dezentrale Lüftungsanlagen vorwiegend in Bestandsbauten installiert werden.

Staatliche Förderungen sind möglich

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert den Einsatz von Lüftungsanlagen direkt oder indirekt sowohl für Neu- als auch Bestandsbauten. Mit einem zinsgünstigen Kredit wird der Neubau von Effizienzhäusern 55, 40 oder 40 Plus unterstützt (Programm 153).

Für Gebäude, für die ein Bauantrag oder eine Bauanzeige vor dem 1. Februar 2002 gestellt wurde, kommt ein einmaliger Zuschuss (Programm 430) oder ein zinsgünstiger Kredit (Programm 151/152) in Betracht. Nähere Informationen finden Sie unter www.kfw.de

 

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